Grußwort zur Fastenzeit

06.03.2019

Letzten Sonntag haben wir mit den Kindern den Fasching gefeiert. Einige haben sich verkleidet, sind in fremde Masken geschlüpft und haben irgendeine Rolle angenommen.  Und das kommt eigentlich öfter in unserem Leben vor, dass wir uns anders geben, als wir in Wirklichkeit sind. Man gibt sich anderen gegenüber freundlich, lieb, höfflich, korrekt, obwohl man auch die dunklen Seiten im eigenen Leben kennt.

Das ist wahrscheinlich die Gefahr, die wir alle laufen, dass wir unseren wahren selbst unter den dazu angenommenen „Rollen” verlieren. Wer bin ich oder Was ist meine Identität? Eine sehr wichtige Frage, die wir gerne vermeiden wollen, weil sie unser Leben in Frage stellt und manchmal sogar uns wehtut. Um diese Frage zu antworten braucht viel Zeit; eine Umkehr; Einkehr.

Gerade, das ist der Sinn dieser Österlichen Bußzeit, die wir heute beginnen. Mit dem Aschermittwoch beginnen wir die österliche Bußzeit. Eine Zeit der Umkehr. Eine Zeit zum still werden und zum Überlegen, wie mein Leben abläuft. Die Fastenzeit soll für uns etwas „mehr” werden als eine einfache Zeit des Verzichtens. Sie soll uns helfen unsere „Lebensmitte” wieder zu entdecken und um dorthin zurückzukehren.

Lothar Zenetti, der deutsche Theologe pointiert das, wenn er sagt: „Geh in deine Kammer, geh in deine Dunkelkammer, und entwickle dort das Bild, das sich Gott von dir gemacht hat.” Die Einladung steht uns noch offen, um uns auf diese Entdeckungsreise nach Innen zu begeben und um nachzudenken, was Gott mit uns und unserem Leben vorhat.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine besinnliche und gesegnete österliche Bußzeit.

P. Thomas Manalil OFM Conv.